Unser Capo dei Capi Stefan

Die Werbewerkstatt feiert 25 Jahre und wir wären ja nicht wir, wenn wir zu diesem Anlass nicht genau nachgefragt hätten! Also kommt mit auf eine kleine Reise in die Vergangenheit und erfahrt selbst was vor 25 Jahren passiert ist und wie Gründer Stefan Burger heute darüber denkt.

Hallo Stefan! Vor 25 Jahren hast du dich selbständig gemacht. Wir sind neugierig, was hast du gemacht, bevor es die Werbewerkstatt gab?
Stefan: Mmmh – ehrlich gesagt erst mal nichts. Ich habe praktisch fast ein Jahr Auszeit genommen, um mich auf die Selbstständigkeit vorzubereiten.
Davor habe ich einige Jahre die Werbeabteilung eines der größten deutschen Buchhandelsunternehmen geleitet (knapp 30 Filialen bundesweit) und war da sowohl für den Schauwerbebereich (also wirklich Schaufenster- und Innenraum-Dekoration) als auch für den damals ganz jungen Bereich der digitalen Printmedien-Produktion (Desktop-Publishing) zuständig. Dabei hatte ich dann auch sehr oft mit externen Werbeagenturen Kontakt, bei denen ich mir immer gedacht habe: „Das muss doch auch anders gehen“. Die waren halt in der Regel völlig überteuert, die Rechnung war hinterher immer doppelt so hoch, wie Anfangs besprochen und zuverlässig war was anders. Naja und das habe ich dann bei meiner Firma halt anders gemacht.

Wie haben deine Freunde und Familie reagiert als du die Werbewerkstatt gegründet hast?
Stefan: Ohooo – eigentlich waren da alle erst mal not amused – mit Ausnahme meiner Frau Christina. Ich stamme ja aus einer Arbeiterfamilie, in der noch nie vorher jemand selbstständig war und entsprechend skeptisch bis destruktiv waren dann auch alle. Aber Tina hat mich da von Anfang an unterstützt, wir wussten natürlich beide, dass es schon ein Akt wird, so ein Unternehmen von Null auf zu gründen und haben da natürlich immer wieder Lehrgeld bezahlt. Aber wir haben uns durchgebissen. Tina am Anfang noch in einem Arbeitsverhältnis bei einer Goldschmuck-Firma (sozusagen unsere finanzielle Versicherung) – und auch noch schwanger! Ich finde, davor kann man nur Respekt haben.

Wolltest du schon immer eine eigene Werbeagentur haben?
Stefan: Neeee – in den 80ern war eine Werbeagentur so weit weg wie der Südpol. Allerdings wusste ich schon früh, dass ich mich irgendwann selbstständig machen werde, dazu gibt es ein ganz konkretes Erlebnis. Vor meiner Buchhandlungszeit habe ich ja viele Jahre im Baumarktbereich gearbeitet – in meiner Heimat Marktredwitz bei der Firma Bach, unter anderem auch beim PROFI in Marktredwitz (ja, so lang gibt es die Profis schon). Da sah das Tätigkeitsfeld natürlich ganz anders aus, und zwar in der Regel aus Dekorieren (Schaufenster und Innenraum). Wir wurden damals von externen Dekorateuren unterstützt, unter anderem von einem selbstständigen Dekorateur, der damals so knapp über 50 war. Wir haben uns immer gegenseitig unterstützt, mal der eine im Schaufenster und der andere davor bzw. umgekehrt. Ich also draußen, er drin – ziemliche enge Stelle und so richtig schlank war er damals auch nicht. Und bei dem Anblick habe ich mir gesagt, ne in dem Alter wirst Du nicht mehr selbst im Schaufenster stehen, Du wirst das irgendwann dirigieren. Und das war dann die Geburtsstunde des Gedankens…

Wie kam es zum Wandel der Werbewerkstatt zu +mehrwert?
Stefan: Eigentlich haben diese beiden Sachen ja nicht so viel miteinander zu tun. Die WerbeWerkstatt ist der Ursprung, so hieß meine Einzelfirma vom ersten Tag weg. Ich wollte schon im Namen zeigen, dass wir keine abgehobenen Künstler sind, sondern „Macher“. Im Jahr 2008 wurden wir dann praktisch von öffentlicher Hand gezwungen, uns rechtlich umzufirmieren, weil uns die KSK sonst wahrscheinlich die Firma zerstört hätte – andere Geschichte, weil viel zu lang. Ich sag nur „Künstlersozialkasse“. Deshalb haben Christina und ich damals die BlueCube GmbH gegründet, der Name in Anlehnung an die blauen Quadrate, dir sich im Logo der WerbeWerkstatt finden. Künftig lief dann die ganze Abrechnung zwischen uns und unseren Kunden über die GmbH, und die Werbewerkstatt war die „Produktionsfirma“. Das ging dann alles aber auch immer weiter in die GmbH über, sodass wir uns im Jahr 2017 entschlossen haben, fast alle Mitarbeiter in der GmbH anzustellen (ganz wenige Ausnahmen). Und im selben Jahr haben wir uns dann auch gleich dazu entschlossen, uns einen neuen Auftritt und einen neuen Namen zu verpassen, mit dem wir nach draußen auftreten und da ist +mehrwert geboren. Anfangs mit der der Idee „Mia san Mia“ – a bisserl verrückt und ordentlich unordentlich, aber Mir san halt Mir. Und dann ging es los. Und was ich an der Stelle gern mal loswerden würde, ich bin irre stolz darauf, dass diesen „Umbau“ wirklich alle Mitarbeiter mitgemacht haben. Viel Einsatz, viel Zeit, tolle Ideen und jede Menge Ehrgeiz von wirklich allen Mitarbeitern.

An welchen Moment der letzten 25 Jahre denkst du immer wieder gerne zurück?
Stefan: Erst mal natürlich an die Geburt meines Sohnes 1997. An den Umzug in unser Büro II in 2003. An den Umzug in unser Büro III in 2006. An die vielen Kunden, die uns deutlich gemacht haben, dass sie froh sind, dass es uns gibt, aber vor allem an jeden Moment, wenn man wieder einen Mitarbeiter durch die Anstellung glücklich machen konnte, an die Momente, dabei zuzusehen, wie unserer Auszubildenden wachsen und gedeihen (und das richtig gut) – und dann an jeden Moment, bei dem man gesehen hat, was Vertrauen und Zuversicht bei allen Mitarbeitern bewirken und wie sie sich weiterentwickeln und richtig, richtig gut werden. Ach – da steigen mir ehrlich gesagt fast die Tränen in die Augen.

Gab es schon mal einen Moment, in dem du überlegt hast, die Selbstständigkeit an den Nagel zu hängen? Wenn ja, was hat dich motiviert weiterzumachen?
Stefan: Nicht einem Moment! Weshalb sollte ich das? Das ist das Baby von meiner Frau und mir. Und wie bei einem richtigen Baby gibt es auch da Situationen, in denen man es mal für ein Stündchen in den Schrank hängen könnte. Macht man da auch nicht, sondern findet Lösung und weiter gehts. Und dann kommen auch die Momente, in denen man dasitzt, seinem Baby beim Wachsen zusieht und beim Lernen, bei Weinen und beim Lachen. Und dann ist man für einen Moment einfach nur stolz – und dann gehts weiter – von nix kommt nix…

Sag mal Stefan, wie ist es, wenn man zusammen ein Unternehmen führt, schafft man es da auch mal abzuschalten?
Stefan: Das ist schon schwierig, weil man das Unternehmen ja nicht nur arbeitet, sondern lebt und mit Herzblut führt. Gerade am Anfang ist man da oft ein bisschen zu ehrgeizig und schießt ggf. übers Ziel hinaus. Man lernt das aber, oder man wird eines Besseren belehrt. Das war auch bei mir so, bis mich ein Hörsturz auf die Bretter geschickt hat. Und so ein Warnschuss sollte einem dann schon zu denken geben. Seitdem versuche ich, regelmäßig Pausen zu machen, vor allem meinen Wochenenden einzuhalten und auch regelmäßig Urlaub zu machen (lieber kürzer und öfter). Manche Leute (auch Kunden) verstehen das leider nicht, aber die Gesundheit ist nun mal wichtiger als alles andere. Und am besten abschalten kann ich halt zusammen mit meiner Frau bei einem Gläschen Prosecco irgendwo in einer schönen Stadt, mittendrin im Leben oder zusammen mit Tina und unserem Hund Louis irgendwo in der Landschaft, im Wald oder an einem See.

Was ist dein persönlicher Ausgleich zur Arbeit?
Stefan: Siehe letzter Punkt – ach ja – und natürlich meine Arbeit selbst. Die ist ja sehr, sehr abwechslungsreich, da kann man sich wunderbar mit dem einen Projekt vom anderen ablenken – und ist trotzdem noch in derselben Firma. Aber wenn ihr nach Hobbys fragt: Skifahren (leider viel zu wenig), Auto oder Moped fahren (auch zu wenig).

Wie würdest du die Agentur mit einem Satz beschreiben?
Stefan: Whatever you want – you got it…

Was wünscht du dir für die nächsten 25 Jahre?
Stefan: Gesundheit für uns alle – den Rest machen wir dann schon…

Gibt es noch etwas, dass du den Lesern der Kundenzeitschrift sagen möchtest?
Stefan: Cool bleiben, Leben genießen und Danke, Danke, Danke, Danke, Danke für die letzten 25 Jahre an alle, die dabei waren. Großartiges Erlebnis. Viele Freunde und Menschen, die man respektiert.