Sag mal Stefan, was sind deine Geheimnisse für den Spirit, mit dem du das Schiff durch den Sturm geführt hast?

Seit März 2020 sind wir wahrlich alle durch eine – gerade für Firmen – schwierige Zeit gegangen. Wir dachten es wäre schön, mal ehrlich darüber zu sprechen, um zu zeigen wie es für uns war. Deshalb haben wir bei Stefan nachgefragt … „Was sind deine Geheimnisse für den Spirit, mit dem du das Schiff durch den Sturm geführt hast?

Was war dein erster Gedanke als Corona vor der Tür stand?
Das war ziemlich spooky – ich war Ende Januar 2020 mit Freunden beim Skifahren in Saalbach – da haben wir uns nachmittags auf einer Hütte über die Videos aus China lustig gemacht, weil die da damals rund um Wuhan die Straßen gesperrt haben, in dem sie einfach riesige Erdhügel auf die Straße gekippt haben. Fanden wir (noch) lustig…
Ich selbst habe am Anfang wirklich immer gedacht, dass Corona genauso schnell wieder verschwindet, wie es gekommen ist– hab das nicht so richtig ernst genommen, weil es so was wie Corona halt vorher noch nicht gab – oder auch nur weit entfernt von uns passiert ist. Falsch gedacht…

Woher kommt deine Gelassenheit?
Ich bin nicht so gelassen, wie es vielleicht aussieht – natürlich verursacht so was wie Corona Gedanken darum, was das für Folgen hat, wie es weitergeht, ob es weitergeht…
Aber im Lauf der Zeit (ist der Vorteil, wenn man so wie ich knapp über 30 ist) weiß man halt auch aus der Erfahrung heraus, dass es immer weiter geht – egal, was passiert. So schnell bringt einem nichts um. Ich versuche dann halt vorrangig das Positive zu sehen und vergesse das Negative recht schnell – und dann geht’s halt weiter. Wenn man nicht ständig in Selbstmitleid versinkt und in erster Linie an all das denkt, was die Zukunft bringen könnte – und dann auch daran arbeitet, ist alles halb so wild.

Musstest du für dich schwierige Entscheidungen treffen?
Ja – aber die muss man immer wieder treffen, da ist Corona nicht wirklich was Besonderes. So ein (Berufs-) Leben ist ja immer ein Auf und Ab, das sieht man auch daran, dass in den zwei Corona-Jahren natürlich auch schwierige Entscheidungen getroffen werden mussten, die gar nichts mit Corona zu tun hatten. Corona ist nicht an allem schuld. Und letztendlich haben wir die ganze Sache ja bisher ohne wirklich große Schmerzen überstanden.

Was ist deine Grundhaltung und hat sich diese über die Firmengeschichte gewandelt?
Ehrlich gesagt Nein – wenn ich grundlegende Haltungen habe, dann ist das erstens Respekt, zweitens Respekt und drittens Respekt – und zwar vor meinen Mitmenschen – Kollegen, Kunde, Lieferanten – für mich relativ egal, ich behandle jeden so, wie ich selbst gern behandelt werden möchte. Das hat immer gut funktioniert und mich auch großes Stück weit zufrieden gemacht.

Hattest du einen Plan, um durch Corona zu kommen?
Ja klar – ich liebe Pläne, vor allem, wenn sie dann auch funktionieren 😊. Ich hab mir sogar relativ viele Gedanken gemacht und halt die verschiedenen Szenarien durchgespielt, um auf alles, was kommt, möglichst gut vorbereitet zu sein. Das hat natürlich nicht zu 100% funktioniert, weil da immer irgendwo eine Überraschung wartet, mit der man nicht gerechnet hat. Aber das gilt sowohl für negative Überraschungen als auch für positive – gleicht sich also irgendwie wieder aus.
Ohne Plan hätte das alles sicher nicht so relativ schmerzfrei funktioniert, ohne Plan kann man halt nur reagieren und nicht mehr agieren (nicht mein Ding).

Wie viel Glück braucht man?
So viel, wie man bekommen kann. Wenn mir jemand erzählen würde, dass seine Karriere ausschließlich auf harter Arbeit funktioniert, dann würde ich ihn einen Lügner nennen. Glück gehört dazu und wir hatten wirklich immer viel Glück – ohne Zweifel. Ich rede mir halt immer ein, dass man sich sein Glück auch verdienen muss, dann muss ich kein schlechtes Gewissen haben 😊…

Sind wir gut durch die Krise gekommen?
Ja, das ist so – immer vorausgesetzt, die „Krise“ ist tatsächlich vorbei (was ja niemand wirklich genau weiß). Natürlich hatten wir durch die Lock-Downs und die teilweisen „selbst auferlegten Werbeverbote“ Umsatzverluste. Verstärkt wurde das dann auch noch durch den „Run“, den ein großer Teil unserer Kunden erlebt hat – die hatten in einigen Monaten Umsätze wie noch nie vorher, was dann natürlich auch dazu geführt hat, das bereits geplante (im Normalfall selbstverständliche) Werbemaßnahmen gestrichen wurden.
Das hat sich zwischenzeitlich wieder einigermaßen normalisiert, wobei wir noch nicht auf dem Level von 2019 „Vor-Corona“ sind. Das liegt jetzt an den Folgeerscheinungen, die Corona nach sich zieht (Probleme bei der Warenverfügbarkeit, Lieferkosten, allgemeine Preisanstiege). Ich gehe davon aus, dass sich das im Lauf des Jahres 2022 auch wieder normalisieren wird, das kann aber schon noch ein Jahr dauern.

Warum glaubst du, sind wir so gut durch die Krise gekommen?
Naja, das ist ganz einfach – wir haben in den Jahren vorher gut gewirtschaftet und hatten daher ein entsprechendes finanzielles „Polster“ zur Verfügung, mit dem wir die entstehenden „Engpässe“ auffangen konnten. Dieses Geld war natürlich nicht einfach „übrig“, sondern war eigentlich für Investitionen eingeplant, die wir jetzt zumindest zum Teil verschieben müssen, aber damit war unsere Existenz zu keinem Zeitpunkt bedroht.
Wirklich geholfen hat außerdem das Kurzarbeitergeld – und da muss man glaube ich auch mal ein bisschen Dankbarkeit gegenüber unserem Staat zeigen, der so was möglich macht. Das ist nicht selbstverständlich. Und letztendlich möchte ich da auch mal Danke an meine Mitarbeiter sagen, die während der ganzen Zeit immer hinter allem standen, was wir gemacht – oder auch nicht gemacht – haben. Auch das ist nicht selbstverständlich.

Hätte irgendetwas im Nachhinein besser laufen sollen oder würdest du jetzt andere Entscheidungen treffen?
Im Nachhinein war das Vorgehen, das wir gewählt haben, richtig. Klar gibt es immer wieder Sachen, bei denen man hinterher alles besser weiß, aber so ist das halt in Situationen, die nicht wirklich berechenbar sind. Aber das wäre jetzt echt Jammern auf hohem Niveau – ich bin sehr zufrieden mit all den Sachen, die wir entschieden und durchgeführt haben.

Gab es schlaflose Nächte?
Ne – ich schlaf nach wie vor wie ein Stein – und das reichlich 😊…

Wir haben sogar eingestellt – woher kam diese Zuversicht?
Danke für diese Frage – Jetzt habe ich da mal die Gelegenheit, was ganz Wichtiges zu sagen… Egal ob mit Corona oder ohne, unsere Firma steht und fällt – mit Euch.
Ihr seid der aller wichtigste Teil des Ganzen und ohne Euch würde hier rein gar nichts funktionieren. Ich wäre also schön blöd, wenn ich nicht gerade in Euch investieren würde – und dazu gehört auch, neue, passende Kollegen zu finden, die uns ergänzen und insgesamt „runder“ machen (und damit meine ich jetzt nicht das Essen).

Was hat dir während der Coronakrise geholfen optimistisch zu bleiben?
Prosecco 😊…

Corona hat viele Veränderungen herbeigerufen. Diese müssen aber nicht alle negativ behaftet sein. Gab es für dich auch positive Veränderungen in der Krise?
Ja klar – zum Beispiel der Fortschritt in der Digitalisierung, das Überdenken von (eingefahrenen) Abläufen und die Chance, auch sich selbst mal zu überdenken (sich ein bisschen zu erden). Vor allem aber hat Corona gezeigt, dass man sich auch in einer Krise auf Euch verlassen kann. Ich hoffe, ich könnt dasselbe über mich sagen.

Was würdest du deinem Ich vor der Krise für einen Ratschlag mit auf den Weg geben?
Keine Ratschläge anzunehmen sondern sich sein eigenes Bild zu machen und dann sein Ding durchzuziehen…